Wann ist etwas nachhaltig?
Nachhaltigkeit. Wann ist etwas nachhaltig?
Nachhaltigkeit in aller Munde. Der Begriff Nachhaltigkeit muss für ziemlich vieles herhalten. Da sind die veganen Schuhe, die anscheinend Ressourcen sparen und deshalb als nachhaltig deklariert werden. Firmen jedweder Art, die damit unterstützend auf Kundenfang gehen, für jeden x-ten Euro einen Baum pflanzen.
Etwas verkommen zu einem Marketinginstrument, das uns am Gewissen packt. Sobald wir dann ein bisschen nachhaltig waren, fühlen wir und schon ein wenig besser.
Für mich ist Nachhaltigkeit etwas, das im Alltag stattfindet. Jeden einzelnen Tag. So, wie jeder kann. Zugegebenermaßen polarisiert das Thema auch sehr stark. Sich ereifern, scheint bei uns auch so ein nationales Dilemma zu sein. Wer Lederschuhe trägt wird hie und da von Veganern missbilligend beäugt. Das geht so: Oh, Sie tragen ja schöne Schuhe. Sind die aus Leder? Die selben fahren jedoch bei jeder sich bietenden Gelegenheit in alle Herren Länder und generieren dabei CO2 Ausstoß. Bei Essenseinladungen, die Frage vor einem Termin, wer was nicht isst. Kompliziert das Ganze.
Muss ich viele Lebensmittel kaufen, wo ich gar nicht absehen kann, ob ich sie verarbeiten kann, bevor sie nicht mehr genießbar sind. Brauche ich Erdbeeren im Dezember? Ist notwendig allerlei chemische Reinigungsmittel zu verwenden, damit es Zuhause möglichst keimfrei wird? Jeder entscheidet für sich, was nachhaltig ist und interpretiert es auch unterschiedlich.
Ich denke, dass das Bewusstsein wichtig ist. Und nachhaltig zu sein, bedeutet möglicherweise auch Verzicht und vor allem ein nachdenken. Was ja soviel wie hinterher denken aussagt und dann neu bewertet werden kann. Oft sind wir jedoch zu überflutet mit zu vielen Reizen. Dann sagt der Neandertaler in uns – heute nicht. Keine Lust. Gut, dann morgen wieder auf in einen neuen Versuch des nachdenkens und tuns. Oder vielleicht lieber übermorgen – oder so.
Neulich bei der Post: Da stehe ich ewig am Schalter an und sehe, wie eine Frau eine ganze Ladung Pakete auf einem Handwagen hat. Allesamt Bekleidungspakete, die sie online gekauft hat. Leider war halt nicht das richtige dabei. Praktischweise kam die Handkarre ganz nachhaltig zum Einsatz.
Es ist schon verrückt, vor allem weil es das Bekleidungsgeschäften zig-Mal vor Ort gibt. Wir verbringen möglicherweise mehr Zeit damit alles online zu recherchieren. Dann zu bestellen und es zurück zu schicken. Im Vergleich dazu, können wir auch direkt in ein lokales Geschäft gehen und hätten im Idealfall noch ein positves, soziales Erlebnis.
Überschwemmt und überfordert von Angeboten, versucht der Mensch oft den maximalen Output für seinen Einsatz zu bekommen. Rote Preisschilder sind ein wahrer Magnet für uns. Da kann man schnell mal schwach werden.
Klar muss sein, dass alles seinen Preis hat. Auch das Billige.

